Prävention sexualisierter Gewalt
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Bischof Wiesemann war ein wichtiger Mitstreiter für junge Menschen und Reformen

(Speyer, 21.8.26) Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Speyer bedauert den Rücktritt von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und bedankt sich gleichzeitig für sein zukunftsweisendes Wirken im Bistum Speyer. 

Bischof für junge Menschen

Bischof Wiesemann hatte junge Menschen in unserem Bistum, aber auch darüber hinaus, stets im Blick. Nicht nur bei den 72-Stunden-Aktionen, die er immer gerne besuchte und als Schirmpate unterstützte, machte er deutlich: Junge Menschen sind mit ihrer Begeisterung, ihrem Teamgeist und ihrem Engagement ein wichtiger Teil von Kirche, ohne den vieles nicht möglich wäre. Ob im Gespräch mit Firmlingen am Tag der Firmlinge, mit Ministrant*innen bei der Romwallfahrt oder mit dem BDKJ-Vorstand: Wiesemann hörte aufmerksam zu, begegnete jungen Menschen auf Augenhöhe und nahm ihre Themen ernst.

Mitstreiter bei kontroversen Fragen 

Nicht erst seit dem Synodalen Weg war Bischof Wiesemann für uns ein Mitstreiter bei kontrovers diskutierten Fragen – sei es bei der Stellung von Frauen in der Kirche, LGBTIQ*-Themen oder der deutlichen Positionierung gegen Rechts.  Auch im Einsatz für die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt war Bischof Wiesemann authentisch und konsequent. Die Anliegen und Perspektiven der Betroffenen hatte er im Blick – persönliche Gespräche und das Zuhören waren ihm besonders wichtig. Wiesemann war bereit, aus Erfahrungen zu lernen und auch bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen und zu reformieren, wenn dies dem besseren Schutz vor Gewalt und Diskriminierung dienen konnte. Gerade diese Lernbereitschaft und seine Bereitschaft, sich verändern zu lassen, haben wir als glaubwürdig und ermutigend erlebt. Wir sind ihm dankbar, dass er seine klare Haltung nicht nur in Predigten, Hirtenbriefen und Gesprächen eingebracht, sondern auch öffentlich vehement vertreten hat. Wir wissen, dass viele junge Menschen Bischof Wiesemann als Mitstreiter in diesen Fragen sehr schätzen. 

Psychische Gesundheit als Thema gesetzt

Psychische Gesundheit ist ein gesellschaftliches Thema, das Menschen unabhängig von Alter, Position oder Geschlecht betrifft. Die Auswirkungen auf Körper und Seele können enorm sein. Bischof Wiesemann hat dies immer wieder öffentlich thematisiert und dabei auch offen über seine eigene Depressionserkrankung gesprochen. „Wir finden es eine große Stärke, dass unser Bischof immer wieder abgewogen hat, ob er sein Amt noch verantwortungsvoll führen kann. Wenn die eigenen körperlichen und psychischen Grenzen überschritten werden, heißt es, Konsequenzen zu ziehen“, erklärt Caroline Kolmar, Diözesanvorsitzende des BDKJ Speyer. 

Geteilte Verantwortung ­­ – Verantwortung in Gemeinschaft

In seiner Amtszeit führte Bischof Wiesemann die Diözesanversammlung des Bistums Speyer als beratendes Gremium ein. Über sechs Jahre hinweg berieten rund 60 stimmberechtigte Mitglieder den Bischof in wichtigen Themen und Anliegen und entschieden zuletzt über die Strukturreform für das Bistum Speyer. Thomas Held, Diözesanvorsitzender des BDKJ Speyer und Mitglied der Diözesanversammlung, erläutert: „Für uns als Jugendverbandler*innen sind Leitung im Team und partizipative Entscheidungsfindung grundlegend. Mit der Einsetzung der Diözesanversammlung und seiner Selbstverpflichtung, sich an deren Voten zu halten und diese in Kraft zu setzen, hat Wiesemann einen Weg aufgezeigt, wie kirchliche Hierarchien aufgebrochen werden können und dass partizipative Entscheidungsfindung auf allen Ebenen möglich ist.“

Wunsch für zukünftigen Bischof

Bischof Wiesemann machte es zuletzt noch einmal deutlich: Er hoffe und erwarte, dass die gemeinschaftlich getroffenen Beschlüsse und Voten der Diözesanversammlung, die er in Kraft gesetzt hat, auch fortgeführt werden. Wir als BDKJ Speyer erwarten in diesem Kontext vom Domkapitel, dass es die Reformbestrebungen von Bischof Wiesemann und den Menschen im Bistum Speyer ernst nimmt und bei der Suche nach einem neuen Bischof berücksichtigt. Wir wünschen uns einen Bischof, der den eingeschlagenen Reformweg fortführt und bereit ist, Kirche weiterzuentwickeln: zu einem sicheren Ort für alle Menschen und zu einer politischen Akteurin, die sich klar für Menschenwürde, Demokratie und gegen Diskriminierung einsetzt. Der Vorstand des BDKJ Speyer erklärt: „Wir sehen uns ebenso in der Verantwortung, die Zeit der Sedisvakanz für die Weiterarbeit an der Strukturreform und an anderen Themen zu nutzen. Wir wünschen Ihnen, Herr Bischof Wiesemann, die wohlverdiente Ruhe, viel Kraft zum Auftanken und Gottes Segen.“